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Chlor im Wasser

Alles Chlor? Was die Chemikalie in unserem Wasser zu suchen hat

Amerikaner trinken tatsächlich nur Wasser, das zumindest ein bisschen nach Chlor riecht! Wir wollen das Elixier lieber geschmacklos. Dennoch landet auch bei uns Chemie in der Wasserleitung. Und ist alles andere als gesund!

Die Geschichte ist etwas, sagen wir einmal, irritierend: Amerikanern wird doch tatsächlich von Kindesbeinen an nur Wasser eingeflößt, das leicht nach Chlor schmeckt! Das liegt schlichtweg daran, dass in den USA einfach wirklich jeder Tropfen Trinkwasser gechlort wird, um jegliche Keime auch ganz sicher zu töten. Das Resultat aber ist, dass Amerikaner der Meinung sind, nur gechlortes Wasser könne man auch wirklich trinken, sei also „save“.

Kein Chlor im Wasser? Stimmt nicht!

Gerade für uns Österreicher scheint diese Trinkweise mehr als eigenwillig. Zumal wir doch der Meinung sind, dass nur geschmackloses, neutrales und schon gar nicht nach Chlor riechendes Wasser auch gutes Wasser ist. Möglichst farblos soll es sein und stinken bitte schon gar nicht. Freilich, wir sind verwöhnt. Wir haben das Glück, in einem Land zu leben, in dem man kein Chlor braucht, um Keime im Wasser zu ersticken … HALT!

Diese Geschichte stimmt leider nur teilweise! Denn was viele entweder nicht wissen oder einfach nicht wissen wollen: Auch in der Alpenrepublik wird das Leitungswasser immer öfters gechlort, um rein zu sein. Nach starken Regenfällen etwa kann eine Chlorung erforderlich werden. Dies gilt insbesondere für stark landwirtschaftliche Gebiete, in denen viel Gülle und Mist auf die Felder zur Düngung ausgebracht werden. Weicht dort nämlich der Boden durch lang anhaltende Regenfälle auf, verliert er seine natürliche Filterfunktion und Bakterien können über das Grundwasser und abfließendes Oberflächenwasser in den Trinkwasserkreislauf geraten.

Chlor ist einfach das beste Desinfektionmittel

Hier liegt der Teufel übrigens im Detail: Gerade die sogenannten E. Coli- oder Kolibakterien verursachen, sobald sie im Trinkwasser landen, bei uns Menschen schwere Durchfallbeschwerden, Harnwegsinfektionen, bei Neugeborenen Meningitis und andere Erkrankungen. Und eben diese werden durch tierische Exkremente ins Grundwasser gespült, das dann in unseren Leitungen landet. Und da bleibt auch bei uns oft keine andere Wahl, als das Wasser, bevor es verbraucht wird, zu chloren. Konkret wird hierbei so vorgegangen: Gemäß der österreichischen Trinkwasserverordnung darf das Trinkwasser keinen Escherichia coli-(E. coli-) Keim – 0 auf 100 Milliliter – enthalten. Besteht ein Risiko, dass dieser Wert überschritten wird, greifen die Trinkwasserversorger auf Desinfektionsmittel, meist eben Chlor, zurück.

Jetzt muss man freilich die Kirche im Dorf lassen: Es wird nur so viel Chlor verwendet wie notwendig. Mit Chlor versetztes Trinkwasser weist in Österreich in der Regel einen Chlorgehalt zwischen 0,1 und 0,2 Milligramm pro Liter auf. Bei dieser geringen Dosierung gilt Chlor zwar als geschmacklich unangenehm. Für die Gesundheit entstehen dadurch aber in der Regel keine Probleme.

Chlor im Wasser

Allergiker, Schwangere und stillende Mütter: Aufgepasst!

Dennoch sind selbst kleine Mengen der Chemikalie auch für unseren Körper nicht wirklich gesund. Wie bei allen Stoffen gilt nämlich auch in diesem Fall: Die Dosis macht das Gift. Als Chlorgas ist es in konzentrierter Form schlichtweg tödlich, denn es bildet bei Kontakt mit Wasser Salzsäure. Sie reizt die Schleimhäute von Augen, Atemwegen und Verdauungstrakt. Große Mengen denaturieren die Körpereiweiße und führen zu Lungenödemen. Und so wundert es nicht, dass Nebenwirkungen von Chlor auch in geringer Dosierung möglich sind. Allen voran Allergien! Experten streiten sich über mögliche Gefahren für ungeborene Kinder oder Säuglinge. Daher sollten schwangere Frauen und stillende Mütter bei längerem Einsatz von Chlor besser auf Flaschenwasser ausweichen.

Und besonders für Schwangere und Mütter von Säuglingen gilt, dass vor allem bei längerer Chlorung des Wassers Alternativen wie Babywasser oder Flaschenwasser aus dem Supermarkt jedenfalls gesünder sind. Denn: Über die genauen Auswirkungen, die Chlor im Trinkwasser auf ungeborene Babys oder Säuglinge hat, sind sich Experten größtenteils uneinig. Hier stehen mögliche Erkrankungen wie etwa Hirnstörungen, Löcher in der Herzscheidewand und Ähnliches im Raum, sodass vom Konsum von hohen Konzentrationen des an sich in kleinen Mengen nicht schädlichen Chlors im Trinkwasser einfach abgeraten werden muss.

Chlor als krebserregende Chemikalie?

Außerdem wird unter Experten aktuell heftig darüber diskutiert, ob Chlor nicht sogar krebserregend ist. Dazu gibt es Studien wie etwa von Greenpeace und andere Anhaltspunkte. Solange sich die Wissenschaft da nicht einig ist, sollte man jedenfalls eher auf ungechlortes Wasser setzen, um garantiert auf der sicheren Seite zu sein.

Genau das machen übrigens Kühe auf der Weide auch! Wenn diese auch nur ganz schwach und für unseren Geschmackssinn gar nicht wahrnehmbares gechlortes Wasser vorgesetzt bekommen, weigern sie sich, davon zu trinken. Das sollte uns – sofern wir davon ausgehen wollen, dass Tiere über bessere Instinkte verfügen als der zivilisierte Homo Sapiens – dann vielleicht doch ein wenig zu denken geben.

Deshalb empfehlen Experten prinzipiell, das eigene Leitungswasser entweder regelmäßig testen zu lassen oder im Zweifelsfall auf garantiert sauberes Wasser – im Idealfall auf Quellwasser aus Trinkwasserspendern – zurückzugreifen. Quellwasser hat allein schon den Vorteil, dass es nicht aus dem womöglich von Tierkot oder anderen Schadstoffen verunreinigtem Boden stammt, sondern eben vom Berg, aus einer blitzblanken Quelle, die professionell gefasst wird.

Fazit:
Selbst das bei uns gewiss gute Trinkwasser wird immer wieder mit Chlor versetzt, um etwaige Keime abzutöten. Das ist zwar nicht direkt gefährlich, aber auch nicht wirklich gesund. Und vor allem Schwangere oder stillende Mütter sollten keinesfalls gechlortes Wasser trinken. Aber: Die Gefahr ist auch für gesunde Menschen nicht gebannt – Chlor im Wasser könnte sogar krebserregend sein. Darauf deuten aktuelle Untersuchungen hin.

Text: Johannes Stühlinger
Bilder: iStock

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